Europäischer Tag der Sprachen am 26.9.

Wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden – das ist wohl ein Grundbedürfnis jedes lebenden Wesens.

Das ist letztlich auch das Anliegen dieses Tages, in dem sich freilich zwei Größen treffen, die in sich schon so komplex sind, dass es sich lohnt, sie in den Blick zu nehmen.

Denn was oder wer ist überhaupt Europa? Wer zählt dazu? Wo ist die Grenze zu ziehen? Und welche Sprachen leben unter dem – sollen wir sagen: Dach? – dieser Größe „Europa“?

Wenn wir im Bild bleiben, dann umfasst dieses Haus 23 Amtssprachen und mehr als 60 Sprachgemeinschaften, in denen eine Regional- oder Minderheitensprache gesprochen wird (hier und im Folgenden beziehen wir uns auf die Quelle: http://de.wikipedia.org./wiki/Europa). 

Nimmt man Minderheitensprachen mit weniger als 10.000 Sprechern und die Zeichensprachen für gehörlose und blinde Menschen hinzu, kommt man auf 200 europäische Sprachen. All diese Sprachen gehören unterschiedlichen Sprachfamilien an, die jeweils ihre eigene Geschichte haben (z.B. die indogermanischen oder finno-ugrische Sprachen oder die Turksprachen).

Können diese Sprachen der „Zement des europäischen Hauses“ (http://ec.europa.eu/education/languages/orphans/doc 3302_de.htm) sein?

Immerhin möchte der Europäische Tag der Sprachen Menschen dazu ermuntern, lebensbegleitend Sprachen zu erlernen und damit gegenseitiges Verständnis und Respekt zu fördern.

Vielleicht hilft die Besinnung auf die Herkunft des Wortes EUROPA, über alle Grenzen und Missverständnisse hinweg sich dem anzunähern, was das Verbindende all dieser Familien ist: 

Man nimmt an, dass „Europa“ ein Kompositum ist aus ευρυς = weit und οπς = Sicht, Gesicht und – in Anlehnung an die griechische Sage, in der Europa eine phönizische Königstochter ist – „die (Frau) mit der weiten Sicht“ bedeutet.

Wenn Europa „kein Ort, sondern eine Idee“ ist, wie Bernard-Henri Lévy sagt, dann könnte dieser „Weitblick“ dazu beitragen, sich zu verständigen auf das, was diese Idee mit Leben füllt. Die Sprachen dabei zu nutzen als Mittel zu klären, zu reflektieren, den eigenen Horizont zu weiten, zu seinem Wort zu stehen – das ist eine Herausforderung, zu der dieser Gedenktag einlädt.

 



Lizenz: CreativeCommons by-sa-2.0-de 
Die Originaldatei ist hier zu finden.

 

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